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Vattenfalls „Öffentlichkeitsarbeit“
Chef der deutschen Vattenfall Kernkraftwerke muss gehen
Atomenergie ist sicher! Frei nach dem Ausspruch des alten „Rentenministers“. So argumentiert die Atomenergie produzierende Energiewirtschaft seit Jahrzehnten. Konservative Politiker werden fast ebenso lange nicht müde, die Behauptung gebets-mühlenartig zu wiederholen. Blühms Rentenversprechen von damals rufen heute nur ein müdes Lächeln hervor. Das Lächeln über die Versprechen zur Sicherheit der Atomenergie wird wohl eher gequält ausfallen. Im Angesicht von Vattenfalls Öffentlichkeitsarbeit zum Thema Krisenmanagement, Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit und Aufklärung dürfte selbst Vertretern der Atomlobby das Lächeln gefrieren. Gegner der Atomenergie sind hier eigentlich nicht mehr von Bedarf. Die Atomindustrie beerdigt sich lieber gleich selbst.
Milliarden an Subventionen sind bisher in diese Form der Energiegewinnung gesteckt worden. Ein Ende ist nicht abzusehen. Der Konsens für einen Atomausstieg würde trotz aller aktuellen Ereignisse mit einer schwarz gelben Bundesregierung sicherlich sofort gekippt werden, obwohl selbst die Endlagerfrage für den anfallenden Atommüll noch immer nicht geklärt ist.
Tschernobyl, als Beispiel für den größten anzunehmenden Unfall, der Vattenfall Kernreaktor-Unfall im schwedischen Forsmark (bei dem es einigen Experten zufolge durchaus zu einer Kernschmelze hätte kommen können), aber auch kleinere, weniger spektakuläre Unfälle, zeigen seit Jahren immer wieder auf, wie problematisch Kernkraftwerke sind.
Gerne wird der Faktor Mensch, als eigentlicher Problemverur-sacher herangezogen. Die Technik an sich sei ja im Prinzip sicher. Also schaffen wir doch einfach menschliches Bedienpersonal ab. Vattenfall zumindestens, andere Kraft-werksbetreiber sicherlich auch, scheinen sich auf dieses Ziel hinzubewegen. Rund 7 % des Personals wurde in den letzten Jahren eingespart.
Leider ist der Mensch doch nicht alleine schuld. Die alten Kraftwerke sind nach langer Laufzeit - salopp ausgedrückt - einfach marode. Dafür werfen sie aber enorme Gewinne ab. Rund eine Million Euro Pro Tag Gewinn streicht Vattenfall für den Betrieb der beiden Atommeiler ein. Alle Kosten für diese sind nämlich abgeschrieben. Genau aus diesem Grund soll auch die Laufzeit dieser Geldmaschinen verlängert werden. Wer verschenkt schon gerne Geld? Glücklicherweise stellt Vattenfall der Kanzlerin einen Klimaberater aus den eigenen Reihen an die Seite. Da kann dann eigentlich nichts mehr passieren.
Die Laufzeitverlängerung hat aber auch politisch taktische Hintergründe. Indem die Laufzeit neuer Kraftwerke auf alte übertragen wird, erhöht sich die Chance, diese mindestens noch bis zu einer möglichen schwarz gelben Regierung am Netz zu lassen.
Lug und Trug sind die Strategie von Vattenfall, um die Aufklärung der Probleme in den beiden deutschen Atomkraftwerken Brunsbüttel und Krüm-mel zu verhindern.
Erst mit einem polizeilichen Durchsuchungsbefehl erzwang die Staatsanwaltschaft Lübeck einen Zugang zum Leitstand des Kraftwerks Krümmel. Direkte Gespräche mit dem Personal wurden den untersuchenden Behörden bisher verweigert.
Die Lobbyisten der Atomenergie werben zur Zeit mit einer großen Plakatkampagne für deutsche Atomkraftwerke. Bruns-büttel, in blühender Landschaft dargestellt, wurde jetzt schnell überklebt. Diese Kampagne hebt besonders die Qualität des Personals hervor. Warum waren dann aber in der Leitwarte des Unfallreaktors fast drei dutzend Menschen während des Brands, wo sonst nur ein halbes dutzend ihren Dienst tun? War das Problem doch größer, als Vattenfall es eingestehen will, oder war die Qualifikation der Beteiligten doch nicht mehr ausreichend, um das „kleine“ Problem zu lösen? Was geschieht, wenn es einmal wirklich ernsthafte Probleme geben sollte?
Offensichtlich kann Vattenfall seine Zuverlässigkeit als Betreiber von Atomkraftwerken nicht unter Beweis stellen. Probleme mit seinen schwedischen Atommeilern und einer vergleichbaren Öffentlichkeitsarbeit gingen schon durch die Medien. Chef der deutschen Vattenfall Kernkraftwerke muss nun zur Strafe seinen Posten räumen. Ein Entzug der Betriebserlaubnis für seine deutschen Kernkraftwerke wäre die logische Konsequenz. Bisher droht die Politik damit nur.
Gerüchte kursieren von Vattenfall heftig dementiert nach denen sich der Konzern von all seinen deutschen Atomkraftwerken trennen will. Potentieller Käufer soll der Partner E.ON sein, dessen Ruf bisher noch nicht ramponiert ist. Die Störanfälligkeit der alten Technik wird sich mit einem Verkauf ganz bestimmt nicht ändern. Passend dazu wies der Präsident des Bundesamt für Strahlenschutz auf die erhöhte Störanfälligkeit alter Kernreaktoren hin.
Ralf Salecker
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